Nichts als Freude! – In „Nichts als Freude!“ unterrichtet Steven Uhly eine junge Schreiberin – und legt dabei selbst viel von sich offen.
Es gibt viele Bücher über Literatur und das Schreiben. Die meisten versprechen Handwerk. Steven Uhly verspricht etwas Riskanteres: Freude. Sein neues Buch, erschienen im secession Verlag, ist ein Lehrgang in Romanform. Ein erfahrener Autor – unverkennbar Uhly selbst – nimmt sich der jungen Mali an und führt sie in Tagesportionen an die Frage heran, wie Geschichten entstehen. Die Frage einer angehenden Autorin wird zum Ausgangspunkt einer literarischen Selbsterkundung.
Das Spiel mit der eigenen Identität setzt eine Linie fort, die bereits „Death Valley“ prägt. Interessant ist daran weniger das Rätsel, welche Einzelheiten autobiografisch stimmen. Entscheidend ist die Verschiebung: Das Ich erscheint nicht als gesicherter Ursprung der Geschichte, sondern als etwas, das beim Erzählen erst Gestalt gewinnt.
Nichts als Freude – ohne sie kein guter Text!
Konkrete Techniken spielen dabei erst spät eine Rolle. Zunächst geht es um etwas anderes: darum, sich so in Figuren und Geschichten hineinzudenken, bis sie im eigenen Inneren lebendig werden – und darum, die eigenen Gedanken so weit zu befreien, dass etwas Neues und Echtes entstehen kann. Die leise Grundthese des Buches lautet: Wo die Freude fehlt, taugt der Text nichts.

Am stärksten ist das Buch dort, wo Poetik und Menschenkenntnis zusammenfallen. Uhly unterscheidet drei Arten des Schreibens: Route, Safari und Vagabundieren. Er begreift sie nicht als bloße Methoden, sondern als Temperamente – als Weisen, der Welt zu begegnen. Nebenbei entsteht so ein Parcours durch Literaturgeschichte, Philosophie und Psychologie. Nur selten wirkt das belehrend, denn jede Antwort weckt bei Mali neue Fragen.
Beziehungen im Resonanzraum
Um diese Lektionen legt sich eine zweite Ebene: das Leben mit seiner Frau Claire. Der provokationsfreudige Autor gibt hier viel von sich preis und zeigt Zweifel, Widersprüche und Veränderungen. So gleitet der Roman aus der Lehrsituation in ein Selbstporträt. Das verleiht ihm Wärme, verschiebt aber auch die Gewichte. Mali bleibt bisweilen eher Resonanzraum als echte Gesprächspartnerin, und die Asymmetrie zwischen Meister und Schülerin wird kaum hinterfragt. Die eingängige Dreiteilung der Schreibtypen ordnet klug, vereinfacht aber. Manche Gedanken kehren in Variationen wieder, ohne sich zu vertiefen. Stilistisch bleibt Uhly klar und zugewandt, oft beiläufig pointiert. Sein Ton ist eher der eines Gesprächs als einer Vorlesung.
Am Ende steht weniger eine Anleitung als eine Behauptung, die sich nicht beweisen, nur erproben lässt: Schreiben beginnt mit Erlaubnis, nicht mit Können. Ob man diese Erlaubnis von einem anderen empfangen kann oder sich selbst erteilen muss – das lässt das Buch offen. Vielleicht ist genau diese offene Frage seine eigentliche Lektion. Doch darin ist das Buch ehrlich. Es behauptet nicht zu wissen, es zeigt sich suchend – und erinnert daran, dass Literatur, ehe sie Form wird, zuerst Freude sein darf: nicht Besitz des Autors, sondern etwas, das zwischen Erzählen und Zuhören entsteht und jedem offensteht, der es ernst nimmt.
