„Mit Mut eine sichere Anstellung verlassen, um Freiberufler zu werden“ – Interview mit Dr. Kerstin Lötzerich-Bernhard

Was machst Du beruflich, wo liegt dabei der Fokus?

Ich bin promovierte Chemikerin und war fast zehn Jahre lang als Führungskraft bei einem führenden Private-Label-Hersteller für dekorative Kosmetik tätig, bevor mich im Jahr 2008 ein dreimonatiges Sabbatical nach Bangkok, Neuseeland und Moorea führte. Im Anschluss daran habe ich mich dem Aufbau der „Kopfwortewelt“ gewidmet und mich in erster Linie mit dem Fokus Journalismus, Lektorat und Texterstellung sowie Redaktion als Freiberufler selbstständig gemacht.

In welchem Bereich fühlst du dich am wohlsten und warum?

Am liebsten bin ich in den Bereichen Lektorat und Journalismus unterwegs. Beim Lektorieren mag ich die Genauigkeit, während mir der Journalismus sprachliche Freiheiten bietet. Vor allen Dingen die Interviewführung bereitet mir Freude, weil ich immer wieder mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt treten kann. Auch beim Entwerfen von Texten aller Art fühle ich mich wohl, da es immer eine Herausforderung ist, das vom Auftraggeber gewünschte Wording und die Tonalität zu treffen. Denn nur wenn sich der Kunde in meinen Worten sofort wiederfindet, habe ich meinen Job bestmöglich erledigt. Das ist ein tolles Gefühl!

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Wie würdest Du aus Deiner Sicht den Begriff “Digitalisierung” erklären?

Digitalisierung ist für mich ein Ausdruck der fortschreitenden Vernetzungsmöglichkeiten und Technisierung sowie deren Nutzbarkeit – vom persönlichen Umfeld bis hin zu globalen Verbindungen. Die Digitalisierung eröffnet uns ganz neue Beziehungs- und Distributionswege.

Welche Geschäftsmodelle haben in Zukunft die besten Chancen?

Ich denke, wichtig ist ein breites, starkes Fundament und mehrere Standbeine, um möglichst unabhängig zu bleiben und flexibel reagieren zu können. Die Welt um uns herum ändert sich einfach zu schnell, und wir dürfen die digitale Transformation nicht aus den Augen verlieren.

Was hast Du bisher für Erfahrungen mit der DSGVO gemacht? Wir haben ja 2018 alle viel Zeit und Geld in das Thema gesteckt, gibt es bereits Erfahrungen damit? Wirkt sich die aktuelle Gesetzgebung praktisch auf Dein Business aus?

Sagen wir so, ich habe alles Notwendige getan, um alles auf rechtlich sichere Füße zu stellen. Ansonsten wirkt sich die Verordnung eher weniger auf meine Tätigkeit aus. Zumindest werde ich in der Praxis nicht außergewöhnlich eingeschränkt.

In einer Zeit, in der bisher definierte Berufsbereiche immer mehr ineinander übergehen und sich gemachte Erfahrungen im neuen Kontext verändern: wie politisch und/oder gesellschaftlich muss/darf unsere Arbeit sein?

Unsere Arbeit bildet durchaus auch immer die aktuelle politische und gesellschaftliche Situation ab. Sei es in den Themen bis hin zur Wahl der Worte. Daher sind gute und seriöse Recherchen obligatorisch. Und umso wichtiger sind informative, qualitativ einwandfreie Beiträge/Texte ohne reißerische Wertungen. Unsere Arbeit hat in jedem Fall auch eine gesellschaftliche Relevanz, denn wir können (und sollten?!) mit unserer Arbeit aufklären, erklären, erläutern, Wissen vermitteln.

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Was war für Dich eine besonders gute Erfahrung? Was ist Dir im Job besonders gut gelungen? Was war für Dich eine völlig neue Erfahrung?

Eine besondere Erfahrung war und ist für mich, wenn ich für Auftraggeber arbeiten darf, die Vertrauen in mich setzen und zu ihrem Wort stehen (und umgekehrt selbstverständlich genauso). Das ist gar nicht so häufig in unserer Branche. Selbst über Projekte zu entscheiden und die freie Zeiteinteilung empfinde ich als großen Bonus. Besonders gut gelungen – oder sagen wir, worauf ich besonders stolz bin – ist die Tatsache, dass ich den Mut hatte, meinen sicheren Managerposten zu verlassen und es geschafft habe, mich als Freiberuflerin erfolgreich zu etablieren.

Mein Wissen und meine Erfahrungen aus meinem Studium und aus meinem festen Job helfen mir dabei bis heute weiter, und ich lerne immer noch dazu. Völlig neu war es, die Unsicherheiten zu spüren. Denn keine Aufträge bedeuten kein Honorar. Das hatte ich 2008 zu Beginn etwas unterschätzt. Da hilft nur Durchbeißen und harte, gute Arbeit. Die Corona-Krise stellt uns nun wieder vor ähnliche Herausforderungen, doch ich bin gut gewappnet.

Hast Du ein Motto? Wenn ja, welches?

Ich halte es da gerne wie Mark Twain: „Der Unterschied zwischen dem beinahe richtigen Wort und dem richtigen Wort ist wirklich eine große Sache – es ist der Unterschied zwischen dem Glühwürmchen und dem Blitz.“

Als Motto würde ich es vielleicht nicht bezeichnen, doch für mich hat Verlässlichkeit eine sehr hohe Priorität. Zudem finde ich es wichtig, die Neugier nicht zu verlieren.

Kannst Du anderen Menschen, die aus klassischen Berufen in Festanstellung kommen, sinnvolle Tipps für einen Umstieg in die Freiberuflichkeit geben?

Ein gut durchdachter Budgetplan, klar definierte Arbeitsfelder und ein finanzielles Polster sind Gold wert. Denn es dauert üblicherweise, bis man sich auf dem Freiberuflermarkt durchgesetzt hat. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass Kaltakquise eher schlecht funktioniert. Empfehlungsmarketing ist das A und O.

Wo findet man dich in den sozialen Netzwerken?

Ich bin auf Facebook aktiv, ebenso auf den Plattformen Xing und LinkedIn:

Dr Kerstin Loetzerich Bernhard - „Mit Mut eine sichere Anstellung verlassen, um Freiberufler zu werden“ – Interview mit Dr. Kerstin Lötzerich-Bernhard

Dr. rer. nat. Kerstin Lötzerich-Bernhard

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