Sabine Wilp, bitte stelle Dich kurz vor:
Ich bin promovierte Historikerin und Germanistin und habe nach dem Abschluss überlegt, als Archivarin oder in einem Museum zu arbeiten. Aber dann hat es mich doch in die Kommunikation verschlagen. Glücklicherweise! Nach Stationen bei der Messe AG und beim Landesamt für Straßenbau habe ich 30 Jahre lang – von 1990 bis 2020 – die Abteilung für Kommunikation und Veranstaltungsorganisation der Handwerkskammer Hannover geleitet. Dazu gehörte auch die Verantwortung für die Handwerksform Hannover. Ein Herzensprojekt, das ich bis Oktober 2024 wahrgenommen habe.
Was machst Du beruflich/hauptsächlich, wo liegt dabei der Fokus?
Seit 2020 bin ich „offiziell“ im Ruhestand. Aber so richtig weiß ich gar nicht, was dieses Wort bedeutet, denn ich übe eine Reihe von sehr interessanten Ehrenämtern aus. Seit 2019 bin ich Präsidentin des Bundesverbandes Kunsthandwerk. Seit 2023 arbeite ich im Vorstand des Presse Club Hannover mit. Darüber hinaus bin ich seit 2024 Vorsitzende der Sir-Greene-Stiftung sowie des Landesverbandes der Niedersächsischen Kunstschulen.
Kommunikation – Kultur – Kunst(handwerk) bestimmen meinen Alltag. Seit 2025 betreibe ich darüber hinaus eine eigene Plattform www.schönes.de für Online-Ausstellungen und bin als Content Creatorin für eine ganze Reihe von Social Media Accounts zuständig
In welchem Bereich fühlst du Dich am wohlsten und warum?
Das Kunsthandwerk liegt mir besonders am Herzen. Ich stamme aus einer Handwerkerfamilie, bin aber selber völlig frei von jedem Talent für handwerkliches Schaffen. Ich kann nur Worte drechseln. Das tue ich gern und setze mich so für die Themen ein, die ich für wichtig halte. Dabei ist es mir ein großes Anliegen, junge Menschen – Kunsthandwerker*innen und Journalist*innen – zu fördern.
Viele Menschen spüren, dass sich die Welt um sie rasant schnell verändert. Wir nimmst Du dies wahr, was sind Deine Konsequenzen?
Ich bin dankbar, dass ich viele Jahrzehnte lang Frieden genießen durfte. Mit Sorge beobachte ich die geopolitischen Veränderungen, den Rechtsruck in Deutschland, die vielen kriegerischen Auseinandersetzungen. Ich bin ehrlich gesagt fassungslos über das, was hier geschieht, und komme nicht umhin festzustellen, dass aus der Geschichte eben nicht gelernt wird. Leider!
Welche Geschäfts- und Lebensmodelle haben in Zukunft die besten Chancen?
Es ist für Journalist*innen, Kunsthandwerker*innen, Künstler*innen in den letzten Jahren nicht einfacher geworden. Von jungen Menschen, die in diese Bereiche streben, wird unglaublich viel Einsatz und eine hohe Flexibilität verlangt. Manchmal bis zur Selbstausbeutung. Trotzdem treffe ich immer wieder Menschen, die diese Wege gehen wollen, weil sie einen Sinn in ihrer beruflichen Tätigkeit suchen.
Das unterstütze ich gern und bin froh, dass es mir in den vergangenen Jahren gelungen ist mit der Young Collection eine Plattform für junge Kunsthandwerker*innen aus der Taufe zu heben, und mit der Sir-Greene-Stiftung darf ich junge Medienprofis fördern. Dafür bin ich dankbar.
Beschäftigst Du Dich mit dem Thema KI? Wie siehst Du den Ausblick damit für die nächsten Jahre?
Irgendwie beschäftigen wir uns doch alle mit KI. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, es ist nur ein interessantes Tool zur Lösung von bestimmten Aufgaben und nicht das Heil der Welt. Es ist ein Werkzeug wie Hammer, Säge, Meißel. Über die denke ich auch eher selten nach. Werkzeuge werden benutzt, wenn sie gebraucht werden. Und damit gut!
Was war für Dich eine besonders gute Erfahrung während der Corona-Pandemie? Wie hat sich Dein Kontakt mit anderen Menschen dadurch verändert?
Die Einschränkungen, die die Pandemie mit sich brachte, waren heftig. Keine Frage. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich in der Handwerksform die Ausstellung eröffnen wollte, und dies von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich war. Aber wie jede andere schwierige Situation auch, hat Corona auch den kreativen Umgang mit Problemen gefördert. Wir haben dann andere Wege gefunden, und mit großer Freude erinnere ich mich an mein Ballett-Training am Bügelbrett und an die vielen langen Spaziergänge mit Freundinnen bei Wind und Wetter.
In einer Zeit, in der bisher definierte Berufsbereiche immer stärker ineinander übergehen und sich gemachte Erfahrungen im neuen Kontext verändern: wie politisch und/oder gesellschaftlich muss/darf unsere Arbeit sein?
Das hängt sehr von der eigenen Arbeit und der persönlichen Haltung ab. Aber die drei großen K’s – Kommunikation, Kultur, Kunst – sind irgendwie immer politisch.
Was war für Dich eine besonders gute Erfahrung? Was ist Dir besonders gut gelungen? Was war für Dich eine völlig neue Erfahrung?
Es ist ein gutes Gefühl, dass ich mich trotz meines „Ruhestandes“ noch so stark einbringen kann und meine Expertise gefragt ist. Ich arbeite als Mitglied in diversen Jurys mit, schreibe Essays, verbreite Content zu „meinen“ Themen im Internet, bin Gast bei Podiumsdiskussionen oder halte Vorträge. Das fühlt sich sehr gut, richtig und sinnvoll an.
Wo findet man Dich in den sozialen Netzwerken?
Vor allem bei Instagram, LinkedIn und bei Facebook.
Webseite: www.schönes.de
Instagram: www.instagram.com/swilp
Facebook: www.facebook.com/sabine.wilp
LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-sabine-wilp-27a0172ab/
Fotocredit: Lorena Kirste
